Satiren

„Das darfst Du aber nicht weitersagen!“ Die Stimme eines kleinen Mädchens, flehentlich, aber doch auch ein wenig im Befehlston kommandierend, flutscht vom Bahnsteig der nahen S-Bahnstation erst übers Gleis, dann über zwei Gärten und schließlich über die Brüstung unserer Terrasse, mitten hinein in meine Ohren. „Werd‘ ich aber doch!“ erwidert…

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An den Weg vom 3. Stock im heimischen Tornberg 31 in Hamburg Klein Borstel zum Millerntorstadion (meine neue Wohnadresse dort: Block H 7, Reihe 14, Platz 11) habe ich mich ja inzwischen schon gewöhnt. Früher: Anfahrt rund 2 ½ Stunden vorm Anpfiff in der noch dürftig gefüllten S- und U-Bahn. Im Stadion dann zügig und ohne Ganzkörperkontrolle durch alle Absperrungen direkt bis in die Sprecherkabine unterm Stadiondach, 95 Stufen hoch. Atemlos!
Heute: Anreise zwar erst 1 ½ Stunden später, dafür aber stehend und in vollen Zügen genießend. Vorm Stadion lange Schlangen, penible Kontrollen. „Was ist der harte Gegenstand oben rechts in Ihrer Jacke?“ fragt der Ordner in strafendem Tonfall. Ich zeige ihm mein Brillenetui. „Und unten links in der Hosentasche?“ poltert er. Ich präsentiere ihm mein Smartphone. Nach Pyro fragt er mich nicht. Immerhin!…

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Da steh‘ ich nun vorm armen Tor und treff‘ den Ball nicht, stell‘ Dir vor!“ Dieses Eingeständnis eines Spaßvogels wird so mancher von uns aus eigener Erfahrung und Unzulänglichkeit unterschreiben. Andererseits: „Der Ball ist schneller als jeder Spieler“, meinte einst Sepp Herberger. Wenn allerdings der legendäre Urvater aller Jogi Löws recht hatte mit dieser Binsenweisheit, warum ist dann noch nie ein Trainer auf die Idee gekommen, statt 11 Spieler mal 11 Bälle auf den Rasen zu schicken? Besser doch, als wenn nämlich der Fernsehreporter erklären muss, dass die Braun-Weißen das Spiel ohne Ball noch immer nicht begriffen häben.  …

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„Mehr Licht!“. Mit diesen Worten soll Goethe sich auf dem Totenbett verabschiedet haben. Was aber die neuere Goetheforschung keineswegs hergibt. Vielmehr verlangte der um Worte nie verlegene Dichter offenbar ganz profan nach einem Nachttopf. Mag ja, sein,- niemand von uns war dabei. Zum Glück!
Wir alle aber kennen berühmte letzte Worte. Der Architekt sagte: „Mir fällt gerade was ein.“ Der Postbote rief nur: „Braaaaver Hund“. Der Beifahrer beruhigte die Autofahrerin mit: „Rechts ist frei“. Der Taucher verabschiedete sich mit einem erstaunten „Hai!“ Und viele Fans unseres FC St. Pauli sagen: „Ich bleibe, bis wir deutscher Meister sind.“ Das gilt sicher auch für Daggi, obgleich sie nicht ans ewige Leben glaubt.
Meisterschaft, Champions League, wenigstens Europa League. Ich fürchte, es geht nicht um das „Wann“, sondern um das „Ob“. Also ob irgendwann.

Meine im Millerntorstadion per Lautsprecher an die Fans gerichteten letzten Worte kenne ich allerdings schon, denn sie sind bereits gefallen. Vor genau zwei Wochen. Nach dem 3:0 gegen Heidenheim. Das war das letzte Spiel, das ich als Stadionsprecher begleitet habe … für diese Spielzeit … und überhaupt.…

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Ich habe gleich mehrere Lieblingssportarten. Fußball gehört nicht dazu. Außer wenn St. Pauli spielt und ich meine Empfangssignale auf Sieg gestellt habe. Oder wenn der HSV spielt. Dann z.B. entwickele ich ungeahnte sadistische Charakterzüge, pole die Empfangssignale um und hoffe auf eine möglichst hohe Niederlage. Bei Ingolstadt gegen Wolfsburg oder Leverkusen gegen Hertha reicht mir eine kurze Zusammenfassung im Fernsehen oder nur das Ergebnis. Manchmal genügt mir aber auch bei Auswärtsspielen unserer Braun-Weißen nur das Resultat. Dann nämlich, wenn ich es ab der 60. Minute beim Stand von 1:0 für uns nicht mehr vorm Fernseher aushalte, das Gerät ausschalte, mich mit irgendeiner sinnlosen Tätigkeit wie dem Säubern der ohnehin schon blitzblanken Klobrille oder der Entlastung des Geschirrspülers durchs Abwaschen per Hand etwa eine halbe Stunde lang ablenke, um dann mit zittrigen Fingern erneut den Fernseher einzuschalten. Dann will ich das Endergebnis erfahren. Meist bin ich leider Sekunden zu früh, bekomme dafür aber gerade noch mit, wie der Gegner in der 5. Minute der Nachspielzeit den Ausgleich schießt oder sogar das Siegtor.…

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Während wir hier dumm rumsitzen und über Fußball reden, wird – Luftlinie 1.300 km entfernt – ein Fußballfest gefeiert. Im Gegensatz zu uns hier in der Mathilde Bar sogar mit himmlischem Beistand gesegnet: Fast 400 Kicker aus 66 Nationen tragen nämlich im Vatikan den Klerus-Pokal aus, die wahre, einzige vom…

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Als Karlheinz ein kleiner Junge war (und das war in den  Nachkriegsjahren) verwirrte er Erwachsene, die ihm die blöde Frage stellten „Was willst Du denn mal werden, wenn Du groß bist?“, mit nur einem einzigen Wort: „Troll!“  Das entsprach nicht der Erwartungshaltung der Fragesteller. Lokomotivführer, so hieß es normalerweise. Auch Kohlenhändler waren damals favorisiert in kalten Wintermonaten. Karlheinz wollte aber ein Troll werden, so ein plumper, knuffiger Zwerg, der sich von Rüben ernährt, wie übrigens auch Karlheinz, als noch Steckrüben den dürftigen Speisezettel dominierten.…

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Unsere Freundin Dolly ist 39 geworden. Nicht schon wieder, sondern erstmals. Und sie hat kein Geheimnis daraus gemacht. 39: Ein geradezu magisches Alter. Es gibt mehr Menschen, die behaupten, 39 zu sein, als 25 oder 47. Ein erstaunliches, aber erklärbares Phänomen. Das liegt daran, dass sich Frauen wie Männer bei…

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„Es gibt nichts Sinnloseres als Fußball, außer Nachdenken über Fußball.“ Ein Zitat von Martin Walser, das ich mir zum 30-jährigen Jubiläum als Stadionsprecher zu Herzen genommen habe. Als inzwischen längst ältester und dienstältester Stadionsprecher im deutschen Profifußball hätte ich nämlich der Versuchung unterliegen können, mir tiefschürfende Gedanken zu machen über die Entwicklung dieser „schönsten Nebensache“ ganz allgemein und speziell über das, was sich am Hamburger Millerntor zwischen 1986 und 2016 vor meinen meist noch einigermaßen wachen Augen getan hat. Verkürzt gesagt:…

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Es gibt Geschichten, die das Leben schreibt, die aber nie aufgeschrieben werden. Leider! Manchmal spielt darin derjenige, der sie erzählen könnte, eine so unrühmliche Rolle, dass er es lieber lässt. So wie Helmut Kohl. Der hat die Geschichte der Parteispendenaffäre nie erzählen wollen. Aus schlechten Gründen. Kollege Willy Brandt wurde laut Spiegel „von einer Liste mit Frauennamen zu Fall gebracht“. Namen, die der Schwerenöter natürlich nie genannt hat. „Der Kavalier genießt und … schwelgt“. Und auch ein anderer Kanzler hat, da bin ich mir sicher, die folgende Begebenheit nie öffentlich verbreitet: zu unwichtig, weil politisch irrelevant.
Vielleicht aber hat Loki Schmidt ihrem Helmut auch nie darüber berichtet, wie sie den Abend des 26. Januar 1985 verbracht hat. Ich habe die amüsante Episode bislang nur im privaten Kreis erzählt, aber jetzt, wo Herr und Frau Schmidt ihre letzte Ruhe gefunden haben, erlaube ich mir, Euch am Geschehen teilhaben zu lassen.…

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Auf einem meiner Spaziergänge auf dem Hamburger Ohlsdorfer Friedhof, laut PR-Abteilung der Verwaltung der größte Parkfriedhof der Welt, fiel mein Blick auf ein Buch. Jemand hatte es auf einer Parkbank liegen gelassen, entweder vergessen oder um nachfolgenden Bankdrückern die Zeit mit einer Lektüre angenehm zu gestalten. An diesem Ort musste ich natürlich auch an Eiferer denken, christliche Fundamentalisten, die sogar noch in ihrer Abwesenheit versuchen, andere Menschen dadurch zu missionieren, dass sie ihnen anonym religiöse Werke, ggfs. auch sektiererische Machwerke als Hinterlassenschaft aufdrängen. So genannte Erbauungsliteratur mit leicht ansprechenden Titeln. Wäre ich Autor solch‘ frömmelnder Schundliteratur, würde ich reißerische Titel erfinden. »Die geheimen Sehnsüchte der Maria Magdalena« oder „Keiner küsst so heiß wie Judas“ oder „Leben und lieben in Abrahams Schoß“ oder für die ganz Kleinen »Das ganz große Bibel-Wimmelbuch« und für die Ängstlichen und Verzagten Titel wie „In der Arche Noah ist noch Platz für uns alle“.…

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Gestern erzählte ich einem waschechten Sachsen von unserer St. Pauli-Lesung in der „Mathilde“. „Häää, uff a Gleingunstbiene?“ meinte er. Und ich dachte natürlich sofort an meinen letzten Urlaub auf dem Bauernhof. Beim Frühstück gab’s Bienenhonig, einen Fingerhut voll nur, und ich sagte stirnrunzelnd zum Bauern: „Ach, eine Biene halten Sie sich also auch!“
Genau in diesem Moment ereilte mich per Smartphone die Nachricht der Pressestelle des FC St. Pauli: Wir bieten zwei Bienenvölkern im Millerntorstadion Unterschlupf. Keine Leistung ohne Gegenleistung: Die fleißigen Bienen sollen Honig erzeugen. UFA Sports wird auch den vermarkten. Der Markenname: „Ewald Bienenhonig“. Kein Aprilscherz wie vor ein paar Tagen das Maskottchen Zecki, obgleich eigentlich noch ein wenig unwahrscheinlicher.
Völker hört die Signale: Bienenvölker am Millerntor! Aber nein, nicht die beliebte Biene Maja, sondern die Biene Paula wird unsere Trikots verzieren, wofür es hieb- und hoffentlich auch stichfeste Argumente gibt. Bienenfleißig werden wir St. Paulianer auch diesen Schutzbedürftigen, diesen Flüchtlingen aus einem nicht gerade immergrünen Stadtteil, den verfolgten Ökosystemdienstleistern in der uns eigenen sozialen und ökologischen Verantwortung das kurze Leben so angenehm wie möglich machen. Auf unseren Transparenten werden wir sie begrüßen: „Honeybees welcome!“, heißt es in der Südkurve.…

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Solange wir Sex haben, können wir davon nicht genug kriegen, und wenn wir davon endlich genug haben, können wir ihn ohnehin nicht mehr kriegen.

Diese harmlose Altersweisheit habe ich nicht etwa einem Buch mit Aphorismen entnommen, sondern sie ist von mir (an dieser Stelle erhoffe ich mir – wenn auch…

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Wann immer es meine Zeit erlaubt, gehe ich auf dem Ohlsdorfer Friedhof spazieren. 235 000 Grabstätten, - das dauert, bis man alle besucht hat! Freunde der Yellow Press können hier sogar auf „Promi-Tour“ gehen. Autogramme der ewigen Untermieter wie Hans Albers oder Loki, neuerdings auch Helmuth Schmidt gibt’s allerdings nicht mehr. Selbst Inge Meysel oder Heinz Erhardt freuen sich aber bestimmt über jeden Besucher, was für Domenica schon zu Lebzeiten galt.
Hier beschränkt sich die Kommunikation nur leider auf Monologe statt Dialoge. Etwas für Wutbürger, um Dampf abzulassen, ohne Widerspruch befürchten zu müssen! „Herr Ex-Bundeskanzler: Das wollte ich Ihnen doch immer schon mal sagen!“…

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Moderation: Was sagt uns wohl ein bekannter Trainer zu dem Vorwurf, dass die Fußballlehrer heutzutage eine schwer verständliche Sprache sprechen?
Dazu jetzt Kunibert Kallmund (Spitzname: Lallmund), natürlich einst Jahrgangsbester bei der Ausbildung:

Ich muss diesen Maulwurf zur Fremdnis nehmen, darf aber bleichzeitig darauf hinscheißen, dass der freud‘sche Schusterbund schon seit Jemine dagegen eingetreten hat, den Verbrauch der deutschen Rache gerade im Gesäch mit Spottreportern auf ein Minidumm zu reklamieren.…

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Von meiner Urgroßmutter ist die steile These überliefert: „Wer im Bett liegt, sündigt nicht.“ Sie hatte etwas missverstanden, nämlich die alte Weisheit, die da lautet „Wer schläft, sündigt nicht“. Aber damals löschte man hierzulande zum Kindermachen ja noch die Petroleumfunzel …und natürlich die Augen. Die sexuelle Revolution jenes Zeitalters bestand bestenfalls darin, dass der Mann sich barhäuptig seinem Weibe näherte und seine Schlafmütze erst nach der Verrichtung des in Sekunden bemessenen Sexualakts aufsetzte, - oben mit einem Loch, damit sein Dampf abziehen konnte.…

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Geburtstag (der Tag der Geburt. Noch wird nicht mit ihm, sondern nur über ihn gesprochen)
Zum Glück ist es ein Junge!
Hoffentlich bekommt er noch Haare.
Statt dieses hässlichen Jungen hätten wir lieber den Storch nehmen sollen.…

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Ich kenne Max. Ihr kennt Max auch. Davon gibt es nämlich viele. Sie heißen bloß nicht alle Max, aber so ähnlich. Max ist Fußball-Fan: FC St. Pauli von 1910. Wäre auch Max von 1910, wäre er bestimmt schon Mitglied geworden, noch bevor die Hebamme die Nabelschnur trennen konnte. Natürlich mit Dauerkarte. Die gab es damals zwar noch nicht, aber für ihn hätte man sie bestimmt schon vor über 100 Jahren erfunden. Lebensdauerkarte Gegengerade. Max ist aber erst knapp über 50. Dauerkarte Ehrensache. Gegengerade. Old School.…

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Wer sich im Fußball nicht auskennt, glaubt vielleicht dem Witz mit Bart, dass Schiedsrichter nur 22 cm groß sein dürfen, weil sie doch stets auf Ballhöhe sein müssen. Der Stadionsprecher muss das nicht. Der muss über den Dingen stehen bzw. thronen, nämlich mit Blick auf bzw. über Spielgeschehen und Zuschauer, ganz oben unterm Stadiondach in der Sprecherkabine. Dennoch werde ich, genau wie die Schiedsrichter, immer mal wieder nach meiner eigenen Spielerkarriere gefragt. Zwangsläufig muss ich, sagen wir, mit einer gewissen Zurückhaltung antworten. Die Karriere hat nämlich nie so recht begonnen.…

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Einige furchtbar patriotische Bewahrer des Abendlandes kritisieren, dass laut der Veröffentlichung der in ihren Kreisen verhassten „gleichgeschalteten Systemmedien“ das Wort  „Lügenpresse“ in dieser Woche zum „Unwort des Jahres 2014“ gewählt wurde. Und, wie die erbitterte Diskussion zeigt, ist sogar zu befürchten, dass „Lügenpresse“ 2015 seinen Titel verteidigen kann. So wie Klitschko, der zumindest gefühlt schon seit 1945 seinen WM-Gürtel Jahr für Jahr verteidigt, was ja auch nicht so schwer ist, weil es gleich zwei Klitschkos gibt, den echten und den geklonten, - ein schrecklicher Verdacht, den die berüchtigte Lügenpresse uns natürlich vorenthält.…

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Ich lebe auf großem Fuß. Das ist wörtlich zu nehmen. Genau genommen, lebe ich auf zwei großen Füßen, leider auf zwei unterschiedlich großen. Mein rechter Fuß ist nun mal größer als der linke. Oder umgekehrt? Ich weiß es nie. Auf alle Fälle ist es schwierig, nein, ganz und gar unmöglich, ein paar passgenaue Schuhe unterschiedlicher Größe zu kaufen. Wenn Menschen sich paaren, sind sie meist verschieden gestrickt und keineswegs auch nur annähernd baugleich. Bei Schuhen ist das anders. Ein Paar, das bedeutet: Ein Schuh für links, einer für rechts, aber sonst sind beide gleich. Darum stelle ich mir das Zusammenleben von Schuhen auch langweiliger vor, als das von uns Menschen.…

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Das Telefon klingelt. Eine jugendlich-forsch klingende Männerstimme sagt: »Hier ist Ihr neuer Stromanbieter. Wir machen unsere Kunden-Zufriedenheits-Analyse-Jahresbefragung (ein Wort mit 42 Buchstaben!) Sind Sie bereit, etwas zu Ihrer Zufriedenheit zu sagen?«

Ich frage mich, wie mir dieser Mann – meiner von ihm offensichtlich erwünschten Antwort vorauseilend – bereits meine Zufriedenheit unterstellen kann, obgleich ich doch erst vor wenigen Tagen den Anbieter gewechselt habe.…

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Ich gebe zu: Ich bin ein Gewohnheitstier. Sowas wie die Gans Martina, die einst ihr Leben unter den neugierigen Augen des Verhaltensforschers Konrad Lorenz fristen musste. Martina schlief und fraß … und schlief und fraß … und schlief und fraß. Ihr Leben lang. Was sollte sie auch sonst machen? Schließlich musste sie doch sogar die Nächte unter strenger Beobachtung im Schlafzimmer des Forschers in einer elektrisch gewärmten Wiege verbringen, statt (wie jede andere anständige Gans) in einem Stall inmitten ihrer Artgenossen.…

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„Aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen, Rahn schießt: Tor! Tor! Tor!“
Nein, meine Geschichte beginnt etwas anders: »Schuss von Rahn – abgeblockt, Nachschuss – erneut abgeblockt. Und da ist Schäfer: Tor! Ein scharfer Schuss, unhaltbar, 3:1 für Deutschland.«

So habe ich Rundfunkreporter Rudi Michel in Erinnerung, der das nationale Fußballglück in die Welt hinaus schrie, als er am 28. März 1954 aus dem Saarbrücker Ludwigsparkstadion für den Südwestfunk (und »die angeschlossenen Sender«, wie es immer hieß) das letzte Spiel der Qualifikationsrunde zur Fußballweltmeisterschaft zwischen dem Saarland und der Bundesrepublik Deutschland übertrug.…

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Die alten Zähne wurden schlecht,
und man begann sie auszureißen,
die neuen kommen gerade recht,
um damit ins Gras zu beißen.

Heinz Erhardt hat es erkannt: Das sind die wahrhaft wichtigen Dinge, mit denen man sich im Alter befasst: Zahnersatz, Rollator und Treppenlift. Und die Frage: Was kommt danach? Womit ich gar nicht…

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Können Kühe nicht schwimmen, weil ihnen der liebe Gott keine Muskulatur zugedacht hat an jener Stelle, an der die berüchtigten Kuhfladen mehr oder minder lautstark und in unterschiedlicher Konsistenz (von knallhart bis suppig-flüssig) auszutreten pflegen? Diese Darmausscheidungen kommen aus diesem …naja…Ihr … Arschlöcher wisst schon, was ich meine! Meist wird dieser kleine, runde, hutzelige Körperteil ja züchtig vom Kuhschwanz bedeckt. Das würde sich auch bei uns Menschen gelegentlich anbieten (man denke nur an Magen-Darm), ist aber uns Männern rein anatomisch kaum, und den Frauen schon gar nicht möglich.…

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Erinnert Ihr Euch: „Schlachtfest statt Veggie-Day!“ Eine Schlagzeile nach der Bundestagswahl. Gemeint waren die Grünen, deren Gesichtsfarbe sich dem Parteinamen angepasst hatte, was aber wohl kaum am veganen Joghurt aus püriertem Tofu und dem Kichererbsenmehl lag.
Notschlachtung dagegen bei der FDP, obgleich Rainer Brüderle, dieser fleischgewordene Herrenwitz, nach dem Hausverbot im Reichstag durch Wählervotum kaum noch seinen blauen FDP-Anzug (geschweige denn ein Dirndl) ausfüllte. Schon am Wahlabend sah er aus, als wolle er gerade zur Beerdigung… seiner Partei…oder seiner eigenen! (Hat irgendjemand „Brüderle Leichtfuß“ danach eigentlich noch mal gesehen…oder gerochen?)…

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»Ich, Don Giovanni, in der Galerie meiner respektableren Vorfahren der 1003. Sohn eines edlen Geschlechts, gestehe vor der Welt (und ggfs. sogar vor Gott), dass ich Schuld auf mich geladen habe. Ich wollte doch nur ein kleines, freches, süßes Abenteuer. Stattdessen wurde ich zum Mörder.«

Ja, ich bin (nein, ich war) Don Giovanni, der gnadenlose Frauenverführer.  Und dies ist ein Coming-Out der besonderen Art. Man bedenke schließlich mein Alter, meine Statur und sonstige von der Natur gegebene Besonderheiten. Aber tatsächlich: Ich war Don Giovanni,… auf der großen Freilichtbühne der Eutiner Festspiele, und das waren eben die ersten Sätze meines Textes.…

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„Ein Berg ist eine Geländeform, die sich über die Umgebung erhebt. Er ist meist höher und steiler als ein Hügel.“ Oh ja, unser Lexikon bestätigt, was wir schon immer ahnten.
Als Hamburger, von Alpinisten gerne als „Flachlandtiroler“ verspottet, sollte man, bevor man sich auf den Weg zum Gipfelsturm begibt, seinen Horizont ein wenig erweitern, der bislang – seien wir ehrlich - bereits am Gipfel des Hasselbracks endet. Hasselbrack! Noch nie gehört? Das ist Hamburgs alpines Highlight, die höchste Erhebung der „Harburger Berge“, genauer des hanseatischen Teils jener Bergkette, die sich zwischen Lüneburger Heide und dem Alten Land erstreckt (oder, besser gesagt, versteckt). Denn nur 116 m ragt dieser Hasselbrack aus seiner Endmoräne hervor. Ganz genau, 116,20 m: So ein Berglein legt natürlich Wert auf die Erwähnung der krönenden 20 cm. Dieser Minderwertigkeitskomplex ist nur allzu verständlich: Ist doch der Hasselbrack genau 51,80 m niedriger als Schleswig-Holsteins höchste, nur 120 km Luftlinie entfernte Erhebung, der Bungsberg, der die Holsteinischen Schweiz zu einem wahren Winterparadies macht, …sofern ein paar Flocken gefallen sind. Im St. Moritz des Nordens dauert die Abfahrt 25 Sekunden, und der Schlepplift (ja, den gibt es tatsächlich) braucht 1 ½ Minuten. Die benachbarten Krankenhäuser sind auf jeden Notfall vorbereitet, zumal die einheimischen Abfahrtsläufer rein optisch den Eindruck erwecken, als hätten Sie zwei Fischstäbchen untergeschnallt. Angesichts dieser Art von plattdeutschem Alpinismus versteht man die Feststellung des chinesischen Philosophen Konfuzius: „Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel.“…

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In etwa sieben Minuten werde ich leicht den Kopf heben und ein wenig fragend, aber auch erwartungsvoll in Eure Runde schauen, um damit – vermutlich mangels einer echten Schluss-Pointe - zu signalisieren, dass ich Euch gerade die letzte Zeile meiner textlichen Pretiosen anvertraut habe. Und genau dann werdet Ihr mir hoffentlich den ersehnten Beifall zollen! Nein, keine überschwänglichen Ovationen! Ich erwarte weder spitze Bravo-Schreie wie bei Justin Bieber oder Anna Netrebko, noch Staccato-Klatsch-Orgien wie einst bei Parteitagen im Zeichen von Hammer, Sichel oder Zirkel, und schon gar nicht unterwürfige Huldigungen, wie sie dem Stellvertreter Christi auf Erden früher am Ende aller Papstmessen entgegengebracht wurden. Nur ein höfliches Zusammenklatschen Eurer oberen Extremitäten, ein wenig Akklamation, die ich als Zustimmung missverstehen kann, - selbst dann, wenn sie nur als Trostpflaster gemeint ist.…

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Das kleine Dorf Zschadraß, das man zu Recht auch als „stilles Örtchen“ bezeichnen könnte, schläft am Zusammenfluss der Freiberger und der Zwickauer Mulde inmitten des Sächsischen Burgen- und Heidelandes. Das wird Euch jetzt etwa so viel sagen, als redete ich über ein Provinznest in der fernen Inneren Mandschurei. Aber dass Zschadraß uns bislang nicht geläufig war, mag auch an der Unaussprechbarkeit dieses Namens liegen. Wohlweislich haben wir Deutsche solche Zischlaute normalerweise unseren slawischen Nachbarn überlassen. Aber gut, nun müssen wir mit Zschadraß leben! (Zwecks Vermeidung weiterer Verrenkungen meiner Zunge, nenne ich Zschadraß ab sofort nur noch: „das Dorf“.)…

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