Solange wir Sex haben, können wir davon nicht genug kriegen, und wenn wir davon endlich genug haben, können wir ihn ohnehin nicht mehr kriegen.

Diese harmlose Altersweisheit habe ich nicht etwa einem Buch mit Aphorismen entnommen, sondern sie ist von mir (an dieser Stelle erhoffe ich mir – wenn auch nur einen zaghaften – ersten Beifall!)

Nun aber geht’s zur Sache!  

Doch weil sie wusste, wie verführerisch ihre Brüste waren, stieg sie auf mich, als ich sie darum bat. Und sie tat etwas, was für ein erstes Mal ziemlich unanständig war, und zwar – zu meiner abermaligen Überraschung – aus eigenem Antrieb: Sie ließ ihre Brüste um meinen Schwanz spielen.

Bei jenem Teil unseres Publikums, der beim Wort „Schwanz“ nicht zuerst an Hund oder Katze denkt, registrieren wir jetzt eine gewisse Unruhe, um nicht zu sagen: Erregung! (Aber deswegen seid Ihr ja auch hier, nur deswegen!)
Dieser heiße Ausschnitt aus Philip Roths Roman „Das sterbende Tier“  jetzt gleich noch einmal, diesmal jedoch von mir für die „Kuschelsex-Fraktion“ ein wenig umgeschrieben: eine, sagen wir, entsaftete Version:

Doch weil sie wusste, wie verführerisch ihr imposanter Balkon war, streichelte sie meinen Bierbauch, als ich sie darum bat. Und sie tat etwas, was für ein erstes Mal extrem unanständig war, und zwar zu meiner abermaligen Überraschung aus eigenem Antrieb: Sie drückte mir einen zarten Kuss auf die Wange.
 
Für die schwulen Männer hier im Raum (ich bin - weiß Gott - nicht der einzige) habe ich Philip Roths Original gleichfalls ein wenig eri…, äh, redigiert.  

Doch weil er wusste, wie verführerisch seine Arschbacken waren, stieg er auf mich, als ich ihm den Befehl dazu gab. Und er tat etwas, was für ein erstes Mal ganz und gar nicht unanständig war, sondern unter uns Männern selbstverständlich, und zwar aus eigenem Trieb: Er ließ diese knackigen geilen Backen auf meinem steifen Schwanz nieder.

Ich frage mich nun, ob ich mit diesen selbst verfassten Spielarten des Originaltextes eine Chance habe, den alljährlich vergebenen Literaturpreis für die am schlechtesten beschriebene Sexszene zu gewinnen.
Diese uncharmante Auszeichnung ging zuletzt an den vielfach mit Preisen geehrten Schriftsteller Ben Okri. Und zwar u.a. für diese Stelle aus seinem Roman „The Age of Magic“:

Das Universum war in ihr, und mit jeder Bewegung legte es sich ihr offen. Irgendwo in der Nacht ging eine verirrte Rakete hoch.

Und die Rakete entpuppte sich als literarischer Rohrkrepierer! Im Gegensatz zu seinen durchaus prominenten Vorgängern wie Norman Mailer oder John Updike blieb Ben Okri total humorlos der Verleihung des „Bad Sex in Fiction Awards“ fern. Immerhin meldete er sich schriftlich beim Preiskomitee mit diesen Worten:

Diesen Award zu gewinnen, ist lustig, aber auch ein bisschen unwürdig - so wie Sex, wenn man ihn richtig macht.

Auch Psychotherapeuten haben längst festgestellt, dass Sex ohne Sinn für Humor unerträglich ist. Nochmal Ben Okri, der sich  - fast schon masochistisch-lustvoll - zum Opfer unfreiwilligen Humors machte.

Als seine Hand ihren Nippel streifte, wurde ein Schalter umgelegt und sie war wie erleuchtet. Er berührte ihren Bauch, und es schien, als brannte seine Hand durch sie hindurch. Er verschwendete beiläufige Berührungen an ihrem Körper, und bittersüße Empfindungen fluteten ihr Hirn. Sie wurde Orten in sich bewusst, die nur von einem Gott mit Sinn für Humor dort versteckt worden sein konnten.

„…worden sein konnten“, - allein schon für das Satzende verdient Ben Okri (oder sein Übersetzer) eine Bestrafung: null Sex…lebenslänglich… oder besser gleich kastrieren!
Wie unprätentiös (wenn auch politisch nicht unbedingt korrekt) beschreibt dagegen dieser Autor seine Liebesnächte:

Das schönste an Kindern ist doch die Nacht, da wir sie der lieben Frau gemacht.

Der Mann hieß Johann Wolfgang von Goethe, von Beruf Schriftsteller, ein Liebling der Frauen und schon lange tot! In jungen Jahren schlank und attraktiv, später…aber lassen wir das! Goethe konnte auch deftiger formulieren:

In dem engsten der Gäßchen - es drängte sich kaum durch die Mauern - saß mir ein Mädchen im Weg, als ich Venedig durchlief. Sie war reizend. Der Ort – ich ließ mich Fremden verführen!                                          
Ach, ein weiter Kanal tat sich dem Forschenden auf. Hättest du, Mädchen, Kanäle wie die Venedigs und wäre dein Fötzchen wie die Gäßchen hier, wärst du die herrlichste Stadt.

Goethe fast 30 Jahre nach seiner Reise „gen Italien“. (Dieses  abgeschmackte Wortspiel dürfte hier mal am Platze sein.)
Goethe konnte aber auch geradezu witzig sein. Als ein junger Bewunderer anzweifelte, dass der Herr Geheimrat in der Lage sei, aus den Worten „Haustürklingel“ und „Mädchenbusen“ keinen Reim machen zu können, verlas der Dichter nach kurzer Zeit folgende Zeilen:

Die Haustürklingel an der Wand,
der Mädchenbusen in der Hand
sind beides Dinge wohl artverwandt.
Denn, wenn man beide leis‘ berührt,
man innen drinnen deutlich spürt,
dass unten draußen einer steht,
der sehnsuchtsvoll nach Einlass fleht…
Diese kleine Zote wird übrigens auch Schiller und anderen Poeten zugeschrieben.

Die Urheberschaft  ist, was das folgende Zitat anbelangt, unstrittig:
Der britische Autor Arthur Hailey musste nämlich heftigen Spott für die folgende Beschreibung einer offenbar ruhebedürften Rute hinnehmen:

Was das glühend gezückte Schwert eines Liebhabers sein sollte, war schlaff und nutzlos.

Ein Kommentar zum „glühend gezückten Schwert“ fand ich bei Facebook:

Wenn ich das als Jungfrau lese…da denk‘ ich mir: Pff! Da kommt ja was auf mich zu!

Mit dem folgenden verbalen Ausrutscher erreichte Haruki Murakami, der bisher mehrfach am Literaturnobelpreis knapp vorbeigeschrammt ist, immerhin eine Nominierung für den „Bad Sex Award“:

Schamhaar, so nass wie ein Regenwald

Auch hier gilt, dass jeder Schriftsteller uns etwas hinterlässt, was gegen ihn verwendet werden kann: nämlich seine Bücher.
Jüngere Autoren, wie der in Bayern geborene Benedict Wells, haben noch weniger sexuelle Erfahrungen und beschreiben Sexszenen zurückhaltend, ja, geradezu minimalistisch:

Zitat: Danach fielen sie erst aufs Bett, dann übereinander her.

Bei Schweinen, die uns Menschen rein physiologisch überaus ähnlich sind (in manchen Fällen sogar auch äußerlich), dauert ein Orgasmus bis zu einer halben Stunde. Auf literarische Beschreibungen dieses himmlischen Zustands mussten wir bisher verzichten. Aber man weiß ja nie, mit was uns Autoren noch beglücken werden. Einer wie Henry Miller z.B., über den die Bild-Zeitung schrieb:

Er setzte sich hin und ließ seinen Penis schreiben.

Fast schon ein Kompliment … und das von einem Schweineblatt!