Von meiner Urgroßmutter ist die steile These überliefert: „Wer im Bett liegt, sündigt nicht.“ Sie hatte etwas missverstanden, nämlich die alte Weisheit, die da lautet „Wer schläft, sündigt nicht“. Aber damals löschte man hierzulande zum Kindermachen ja noch die Petroleumfunzel …und natürlich die Augen. Die sexuelle Revolution jenes Zeitalters bestand bestenfalls darin, dass der Mann sich barhäuptig seinem Weibe näherte und seine Schlafmütze erst nach der Verrichtung des in Sekunden bemessenen Sexualakts aufsetzte, - oben mit einem Loch, damit sein Dampf abziehen konnte.

„Wer im Bett liegt, sündigt nicht.“ Dabei hätte es meine Urgroßmutter eigentlich besser wissen müssen: Hatte sie es doch geschafft, 12 Kinder in die Welt zu setzen. Frauen haben regelmäßig ihre Regel, meine Urgroßmutter war in der Regel schwanger. Ein Dauerzustand. Und das vermutlich, weil sie eine andere alte Weisheit beherzigt hatte, die da besagt: „Wer schläft, sündigt nicht, wer vorher sündigt, schläft besser.“‎ Von den 12 Kindern haben nur 7 überlebt, die gute Hälfte. Der Rest: na ja, so etwas wie „Schwund“, mit dem man immer rechnen musste in Zeiten hoher Geburtenraten und eines ebenso extremen Kindbetttods. Man sprach auch von einer „natürlichen Auslese“. Wie bei kleinen Katzen oder jungen Hunden oder Vögeln, … womit wir beim Thema wären.

Damals wie heute gilt: Der klassische Ort für den Kopulationsakt ist das Bett. Zwar haben in jüngerer Vergangenheit Örtlichkeiten wie versiffte Bahnhofs- oder Diskotoiletten dem Bett ein wenig den Rang abgelaufen, auch dunkle Besenkammern, kantige Küchentische und dornigen Gebüsche.
Das Bett wurde zur fast schon industriellen Produktionsstätte von Kindern, aber auch zur Lustwiese zwecks wollüstiger Erlangung eines Zustands, der mit Worten wie „Rausch“ und „Ekstase“ nur unzulänglich beschrieben werden kann. Und das, obgleich es damals sowas wie Modulmatratzen aus Kaltschaum mit unterschiedlichen Härtegraden noch gar nicht gab. Auch fragte in jener Zeit kein unterwürfiger Bettenverkäufer wie der legendäre Herr Hallmackenreuther, ob Schlaf-Sitz-Garnituren mit versenkbaren Rückenpolstern bevorzugt würden oder doch lieber das bandscheibengerechte klassische Horizontal-Ensemble mit Hightech-Fiberglaswellen. Fest genug für die Wirbelsäule,  weich genug für allerlei gymnastische Übungen und körperliche Verrenkungen zu zweit. Denn wie man sich bettet, so liebt man.
Die „Prinzessin auf der Erbse“ schlief auf 20 Matratzen und ebenso vielen Daunendecken und wachte dennoch morgens mit der Klage auf: „Ich habe Rücken!“ Woran auch kalte Schlafgemache schuld sein konnten.

„Was ziehen Sie an, wenn Sie schlafen?“ Das fragte kürzlich ein  Meinungsforschungsinstitut. Ich pflege etwas anzuziehen, nicht wenn, sondern bevor ich schlafe. Ich bin nämlich weder Schlafwandler, noch Nacktschläfer. 10% der Befragten outeten sich als Nacktschläfer. Selbst Lilly Becker ist Nacktschläferin, wie die Presse kürzlich berichtete. Wenn ich mir vorstelle, dass ihr Mann Boris - egal ob nackt oder angezogen - neben mir liegen würde, würde ich meinen Astralleib zum Schutz in einer Ritterrüstung verstecken und den Schlüssel ganz schnell verschlucken.  
Nacktschläfer sind meist jung verheiratet. Mit zunehmender Dauer der Ehe bedecken aber Nachthemden die Blöße, die in ihrer Feinripp-Schlichtheit Totenhemden ähneln, oder kreischend bunten Negligés aus geklöppelter Spitze, die an die Modenschau einer Erotikmesse in der Messehalle 7c erinnern. In der Sparversion sind sie aus Polyester.
Der Mann bedeckt seine Blöße mit spießigen Schlafanzügen, vorzugsweise aus brauner Seide, der Schlitz vorne, oder – oft ohne Schlitz – Boxershorts mit lustigen Comicfiguren. Superman wird gern genommen, obwohl dann Anspruch und Wirklichkeit nur selten zusammenpassen. Kater Sylvester hingegen, dieser ewige Loser bei der Jagd auf seinen Lieblingsvogel Tweety, sieht zwar lustig aus, weist aber auf einen Versagertypen hin, von denen die Frau nicht viel erwarten darf. Und immer daran denken: Wenn man das Schlafzimmerlicht ausmacht, ist jede Wäsche schwarz. Ja, und dann kann man ja auch noch kuscheln, d.h. tauber Arm und Haare im Gesicht! Wusstet Ihr übrigens, dass nach rund 10 Jahren Ehe 90% aller Paare viel lieber richtig ausgefallenen Sex praktizieren? Montags ausgefallen, dienstags ausgefallen, mittwochs ausgefallen…
83% der Deutschen, nur 83% legen immerhin wert auf die Feststellung, dass sie nie mit Tennissocken abfoltern. „Abfoltern“ ist Jugendsprech und steht für „Liebe machen“! (Deutsche Männer tragen ihre weißen Socken also offenbar nur zu schwarzen Anzügen.)

Nacktschläfer sind im Kommen! Einige kommen sogar dahin, wo sie gar nicht erwünscht sind, z.B. splitterfasernackt in die Empfangshallen ihrer Hotelunterkünfte, fast ausnahmslos Männer. Das Hobby in der Lobby! 7-mal soviel wie 2007. Diese Erkenntnis verdanken wir aufmerksamen Nachtportiers (nicht Nacktportiers!), die dazu offenbar eine Statistik führen. Psychologen meinen, diese nackten Männer seien Schlafwandler. Das kommt davon, wenn man heute nur mit kleinem Handgepäck reist und den Schlafanzug zu Hause lässt! Aber, liebe Leute: Unterschätzt unsere Exhibitionisten nicht!

Es gibt mehr Studien zu Sex als zu Schlafgewohnheiten. So erfahren wir, dass wir Männer durchschnittlich zwei Minuten für Sex benötigen, aber sieben Minuten, um anschließend einzuschlafen. Das aber kann gefährlich werden, denn dann sind wir doch meist schon auf dem Heimweg.

Dann gibt es ja noch die so genannten Sodomiten, Menschen also, die Sex mit Tieren bevorzugen. Der Schäfer freut sich im Kreise seiner stattlichen Herde auf sein Schäferstündchen, ein Begriff, der für ihn eine ganz spezielle Bedeutung hat. Böcke schaffen, wie Zoologen ermittelt haben, bis zu 50 Begattungen am Tag. Da kann der Schäfer nicht mithalten. Derweil ist seine Gattin zuhause mit dem Schäferhund beschäftigt. Ganz nach dem Motto: „Lieber Sex mit Rex, als Sex mit dem Ex!“ Natürlich auch hier bandscheibengerecht mi horizontalen Fiberglaswellen. Aber nicht unbedingt im Bett, denn für die beiden heißt es: „Ab ins Körbchen!“