Können Kühe nicht schwimmen, weil ihnen der liebe Gott keine Muskulatur zugedacht hat an jener Stelle, an der die berüchtigten Kuhfladen mehr oder minder lautstark und in unterschiedlicher Konsistenz (von knallhart bis suppig-flüssig) auszutreten pflegen? Diese Darmausscheidungen kommen aus diesem …naja…Ihr … Arschlöcher wisst schon, was ich meine! Meist wird dieser kleine, runde, hutzelige Körperteil ja züchtig vom Kuhschwanz bedeckt. Das würde sich auch bei uns Menschen gelegentlich anbieten (man denke nur an Magen-Darm), ist aber uns Männern rein anatomisch kaum, und den Frauen schon gar nicht möglich.


Wovon rede ich eigentlich? Nein, nicht von der lila Milka-Kuh, bei der selbst dieser Körperteil noch nach Schokolade schmeckt. Ich spreche vom „Bos primigenius taurus“, vom Hausrind, unappetitlich unten wie oben. Da werden nämlich Gase mit hohem Methan-Anteil rausgerülpst. Diese Emission trägt eine erhebliche Schuld an der globalen Erwärmung. Das hat kürzlich mal wieder in einem hessischen Kuhstall zu einer kleinen Explosion mit Stichflamme, lautem Knall und Feuerwehralarm geführt. Darum sieht man auch in unseren Fußballarenen so selten Kühe. Die haben längst Stadionverbot, weil sie als fleischgewordene Pyros gelten. Die Bild-Zeitung schrieb kürzlich: „Kuh rülpst bei Maisfutter weniger Methan als bei Gras“. Da stelle ich doch meinen Ernährungsplan auch gleich um: Maiskolben statt Kohl und Erbsensuppe. Als so genannter „Kunstfurzer“, der in der Lage ist, die Töne seiner Abwinde zu modulieren bis zur Intonation beliebter Melodien, könnte ich dann allerdings nicht auftreten. Eigentlich schade!

Zurück zur Ausgangsfrage: Können Kühe nicht schwimmen? Haben sie keinen „Musculus sphincterus ani“, keinen gut funktionierenden Schließmuskel? Müssen sie deswegen, wenn die Herde durchs Wasser getrieben wird, wie wir es aus jedem anständigen Western kennen, eine Art innere Überschwemmung erdulden, sofern die Furt zu tief und zu breit ist? Muss das Rindviech innerlich ersaufen, noch bevor es mit leckeren Filets und ekligem Pansen auf unsere Speisekarte kommt? Die taz hat uns das glauben lassen wollen, als sie mit der Überschrift „Deutsche Kühe gehen unter“ nicht etwa Heidi Klum & Konsortinnen meinte, sondern unsere domestizierten Auerochsen.

Obwohl der taz-Text auf der Satire-Seite veröffentlicht wurde, fiel Sat1, der Kommerzsender für Rindviecher aller Art, auf den Spaß herein und verwurstete die angebliche Schließmuskelschwäche in einer Quizfrage. Wer es genau wissen will: Kühe haben doch Schließmuskeln, und auch Kühe können schwimmen!

Meine naturwissenschaftliche Neugier befriedigen seriöse Medien und Wissenschaftler, die die Resultate ihrer Forschung und damit die Zusammenhänge unserer Welt, ja, des ganzen Universums, so zu erklären versuchen, dass selbst ich nicht nur Bahnhof verstehe (oder nur Schließmuskel).  
Zum Beispiel ein gewisser Dr. phil. nat. Peter Biedermann (so heißt er wirklich). Der wurde jüngst ausgezeichnet mit einem mit 5000 € dotierten Preis, weil er die folgende simple Frage allgemeinverständlich beantworten konnte: „Warum leben Insekten in sozialen Verbänden und verzichten darauf, eigene Nachkommen zu produzieren?“ Also fast wie wir Menschen. Siehe unsere Geburtenrate! Und wenn die Produktion läuft, dann meistens nur als Einzelanfertigung.
Für seine Arbeit musste also dieser Herr Biedermann Generationen süßer, kleiner Käfer züchten und ihre sozialen Kontakte beobachten. Nicht vergleichbar mit dem RTL-Dschungelcamp, in dem asoziale Kandidaten fette, eklige Käfer für Geld verzehren.

Ich stelle mir so einen jungen Forscher bei der Arbeit vor. Er setzt einen 4-beinigen Käfer vor ein Salatblatt, der Käfer rennt hin und frisst. Der Wissenschaftler notiert: "Käfer mit vier Beinen läuft sehr schnell zum Salat". Dann beginnt die Versuchsreihe unter dem Arbeitstitel: „Paralympics für Käfer“, in dem der Wissenschaftler dem Tier ein Bein ausreißt. Der Käfer humpelt zum grünen Blatt und der Empiriker notiert: "Käfer mit drei Beinen bewegt sich zum Salat." Das geht dann so weiter, und als das arme Tier sich schließlich einbeinig zum Salat geschleppt hat, reißt der Forscher ihm auch noch dieses letzte Bein aus. Der Käfer rührt sich nicht vom Fleck. Fazit der wissenschaftlichen Studie: "Beinlose Käfer benötigen keine Nahrung." Wer zu so einer Schlagzeile fähig ist, ist dazu prädestiniert, auf der Wissenschaftsseite der Bild-Zeitung zu publizieren. Schade nur, dass Bild keine Wissenschaftsseite hat. Ein Bedarf der Leserschaft war nicht feststellbar.

Ich lösche meinen Wissendurst darum gelegentlich bei Geo, dem Upper Class-Hochglanz-Magazin für Menschen, die nicht klug werden wollen, sondern es bereits sind, womit ich eigentlich aus der Zielgruppe falle.
Oder im Netz, wo reißerische Schlagzeilen wissenschaftlicher Publikationen zum Anklicken verleiten: „Hirnstrukturen von Mensch und Makake ähneln sich“, so las ich neulich. Makaken sind Primaten mit stämmigem Körper und kräftigen Gliedmaßen. Also sowas wie die Klitschkos. Nur dass Makaken kleiner sind und eher zu ukrainischen Tanzbären tendieren.
Forscher haben per MRT, also Magnetresonanztomographie, jene Gehirnregionen von Mensch und Makake untersucht, die für Sprache und komplexe Gedankenprozesse zuständig sind, und ganz erhebliche Ähnlichkeiten festgestellt. Dabei ist ihnen aufgefallen, dass Makaken nicht sprechen können, was unsereins - ganz ohne Studium - ja bereits geahnt hat.

Doch wer hätte gedacht, dass Dank der unermüdlichen Forschung an einer argentinischen Universität alle Welt inzwischen weiß, dass Viagra bei Hamstern gegen den Jetlag hilft? „Don’t cry for me, Argentina“.

Englische Wissenschaftler haben sich jahrelang am Zusammenhang zwischen Schuh- und Penisgröße abgearbeitet. Leider erfolglos. Bis ihnen zwei koreanische Urologen auf die Sprünge halfen: Die Penisgröße korreliert mit der Fingerlänge. Es geht um den „kleinen Unterschied“, um das Verhältnis von Zeige- zu Ringfinger. Je kleiner dort der Unterschied, desto… Ihr wisst schon, was ich meine!
In Oberösterreich, so erfuhr ich im Deutschlandfunk, haben Forscher nach Funden von angeblich uralten Schweineknochen jetzt die verwandtschaftlichen Verhältnisse von Schweinen der Bronzezeit rekonstruiert. Kein Schwein wird mir das jetzt glauben, obgleich: Es stimmt!

Einige Studien bereichern auch das weite Feld der Psychologie: An der Universität Oldenburg hat man festgestellt, dass sich Lehrer bei ihrer Beurteilung von Schülern von äußeren Einflüssen leiten lassen. Schüler mit Vornamen wie Kevin oder Mandy werden oft bei gleichen Leistungen schlechter bewertet, als Maximilian oder Sophie. Es trifft wieder mal die Falschen, denn eigentlich müssten doch die Eltern bestraft werden, die den Gören solche Namen gaben.

Auf die Spitze getrieben hat es aber jener Wissenschaftler, der mit seiner Studie zu dem Ergebnis kam, dass im letzten Jahrzehnt die Zahl der Studien um 120% zugenommen hat. Als Zeitungsleser haben wir es geahnt.
Glaubt man dem Hamburger Schriftsteller Gabriel Laub, dann hat der Wissenschaftler nur einen wirklichen Konkurrenten zu fürchten: den Satiriker, denn der weiß alles schon viel früher.