Erinnert Ihr Euch: „Schlachtfest statt Veggie-Day!“ Eine Schlagzeile nach der Bundestagswahl. Gemeint waren die Grünen, deren Gesichtsfarbe sich dem Parteinamen angepasst hatte, was aber wohl kaum am veganen Joghurt aus püriertem Tofu und dem Kichererbsenmehl lag.
Notschlachtung dagegen bei der FDP, obgleich Rainer Brüderle, dieser fleischgewordene Herrenwitz, nach dem Hausverbot im Reichstag durch Wählervotum kaum noch seinen blauen FDP-Anzug (geschweige denn ein Dirndl) ausfüllte. Schon am Wahlabend sah er aus, als wolle er gerade zur Beerdigung… seiner Partei…oder seiner eigenen! (Hat irgendjemand „Brüderle Leichtfuß“ danach eigentlich noch mal gesehen…oder gerochen?)


Bei einem Hamburger Sportverein (wovon es viele gibt, aber ich meine den einen, den unaussprechbaren) ist so ein Schlachtfest bereits zum Dauerzustand geworden. Zumindest was die Gesichtsfarbe anbelangt, gibt Präsident Jarchow, dieser extremistisch-hanseatische Fußballfunktionär und FDP-Politiker, schon seit Monaten den Brüderle, auch wenn er mit Rhetorik und Dialekt nicht so recht mithalten kann mit seinem Pfälzer Parteifreund.

„Ganz Hamburg zittert mit den Rothosen“, so titelte die Presse. Ganz Hamburg in Angst und Schrecken? Oder geht es nur um Schüttelfrost?
Gäbe es auch in der Bundesliga eine Art „5%-Hürde“, dann wäre jener Verein wohl kaum noch zu retten, dem immerhin zahlreiche, etwas irregeleitete Hamburger, die nicht Braun-Weiß gewählt haben, einst ihr Herz schenkten. Da hilft es auch nicht, wenn sich „Euch Uwe“ in immer kürzeren Abständen in den Medien um seine Vorstädter sorgt und sorgt und sorgt …und als Gesundbeter Ratschläge der Kategorie „Zurück in alte Zeiten! Früher war alles besser!“ gibt. Seelers Rezept wirkt wie Rizinus-Öl: Oben rein und unten ganz schnell wieder raus!

Noch schlimmer sind jedoch sind jene Wunderheiler, die in der Stunde größter Not ihre ganz persönliche Stunde gekommen sehen da draußen in der Wallachei, wo die Flammen der nahen Bio-Müllverbrennungs-anlage längst übergesprungen sind auf den ausgedörrten Dino der Bundesliga: Feuerbestattung in Stellingen. Auch hier gab’s ja schon Schlachtfeste statt Veggiedays, z.B. beim 1:5 gegen Hopps Hoffenheim. Jene Notärzte ohne Approbation (oder sind es schon die Bestatter?) gaukeln als aufgeregt grunzende Glücksschweinchen den Rothosen eine rosige Zukunft vor. Ihre Rezeptur: Ausgliederung des Profifußballs!
Und das Vereinsmitglied wird mit weißer Salbe mit dem verheißungsvollen Namen „HSVplus“ eingecremt.
Auf dem Beipackzettel müsste wohl stehen: „Zu den riesigen Nebenwirkungen schlucken sie die Packungsbeilage und schlagen Sie den Arzt ihres Apothekers!“ Angesichts eines Schuldenstands von knapp 100 Millionen Euro vertraut man darauf, dass minus mal minus bekanntlich plus ergibt, HSVplus!
Zur Selbstentmachtung aller Mitglieder braucht man bei der entscheidenden Abstimmung ja dummerweise eine Dreiviertelmehrheit. Die dümmsten Kälber wählen ihre Schlächter selber. 75%, etwas, was nicht mal unserer Sonnenkönigin Merkel gelungen ist, die es bekanntlich mehr mit der Nationalmannschaft hält und gelegentlich sogar halb bekleidete junge Männer in der Mannschaftskabine heimsucht. Da ist wenigstens nicht tote Hose!

Soweit hat sich ein Mann noch nicht vorgewagt, der sich immer wieder penetrant unseren Vorstädtern aufdrängt. Kein Kontaktverbot hindert diesen Stalker namens Kühne daran, seinen Senf dazu zu geben. Nein, nicht Kühne-Senf, sondern Logistik-Kühne, Mehrheitseigner eines Transport-Unternehmens mit steuersparendem Sitz in Schindellegi im Schweizer Kanton Schwyz. Passenderweise liegt der Firmensitz an der Pilgerroute nach Einsiedeln. Kühne, der fromme Heilsbringer im Schatten der Berggipfel, muss eine Art Dauerleitung zu den Massenmedien und jenem Sportplatz im Volkspark haben, der dauernd den Namen wechselt, wenn er auch bislang noch nicht Klaus-Michael-Kühne-Arena heißt.

Die Leitungen glühen, weil dieser „deutsche Scheich“ Anlass hat, sich um sein sportliches Investment zu sorgen. Zeitweise gehörten dem Milliardär 33% an einigen Spielern, was man allerdings nicht körperlich interpretieren darf. Nein, es ging um die Transferrechte. Jetzt gibt sich der Transportunternehmer mit den Rechten an Raffael van der Vaart zufrieden, den er (bzw. sein Scheckbuch) nach Hamburg transportierte und zur Raute formte.

Da Rafa nicht nur für „Tika-Taka“ auf dem grünen Rasen steht, stellt sich die Frage, ob Kühne auch Rechte an Sylvie, neuerdings an Sabia und („ob blond, ob braun, ich liebe alle Frauen“) ggfs. an weiteren weiblichen Preziosen aus dem Besitz des Niederländers erworben hat. Nur einmal hat Kühne bislang prophetische Weitsicht bewiesen und zwar als er Sportvorstand Oliver Kreuzer als „Drittligamanager“ bezeichnet hat. Der Mann hat offenbar in die Vereinszukunft geblickt!
Wer nun meint, wir Braun-Weißen sollten uns bitte nicht über den stolzen Nachbarn den Mund zerreißen, der doch eine viel eindrucksvollere Geschichte aufweisen kann, der bis heute auch sportlich erfolgreicher ist als wir, diese popeligen lokalen Konkurrenten, die ewige Nr. 2 der Stadt, wer das also meint,… ja, der hat natürlich recht!
Aber ein bisschen Schadenfreude muss uns doch wohl erlaubt sein! All das, was der gemeine Rauten-Fan jetzt durchleidet, haben wir schließlich auch schon erlebt in turbulenten Zeiten. Um Almosen mussten wir betteln, um Finanzlöcher zu stopfen.
Vielleicht gibt’s ja in den Katakomben unseres Stadions noch Restbestände von Retter-T-Shirts, die wir großzügig an unsere heftig geschrumpften Dinosaurier verschenken könnten, natürlich nicht, ohne die strapazierfähige Baumwolle vorher einzufärben (oder ist es Polyester, was zur Imtech-Arena besser passen würde?). Doch das wirft wiederum neue Fragen auf: Rot-Weiß? Weiß-Rot? Blau-Weiß-Schwarz? Oder doch Schwarz-Weiß-Blau? Wer zählt die Farben, nennt die Stadionnamen?!
Wir St. Paulianer als Retter des siechen Lokalrivalen, als barmherzige Samariter über Stadtgräben hinaus!  Kühne bleibt in Schindellegi, Seeler in Norderstedt, van der Vaart übernimmt die Rothosen als Trainer…für  drei oder vier Spieltage. Und wenn der schließlich auch entlassen wird, geht es aufwärts und sie werden endlich wieder …. Mittelmaß! Uli Hoeneß, der einst auch zu unseren Rettern zählte, verkauft dann seine ihm noch verbliebenen Würstchen im Volkspark. Zurzeit hat er ja noch eine Anfrage eines neuen Vereins: JVA Landsberg, mit mehrjähriger Vertragsdauer.
Als wahre Kiezhelden könnten wir, ausgerechnet wir verhindern, dass jener Verein, der so eine Art „Kanzlerinnen-Raute“ schon für sich gepachtet hatte, als Merkels polnische Vorfahren noch die Erfindung des Automobils erlebten, mit seinen Profi-Männern in der Not genauso umgeht, wie 2012 mit seiner Frauenmannschaft: Rückzug aus der Bundesliga.
Aber der wäre für Journalisten und Kabarettisten der Super-GAU, eine Katastrophe wie der Abgesang der FDP, - womit wir wieder am Beginn dieser Geschichte wären. Denn ohne diesen anderen Hamburger Verein, dessen Name mir so schwer (und heute möglichst gar nicht) über die Lippen kommt, und ohne die FDP, fehlt uns der Stoff für Glossen und Satiren!
„Was ist der Unterschied zwischen einem Smart und der FDP?“ So könnten wir dann nicht mehr fragen, um uns an der Antwort zu ergötzen, die darauf verweist, dass der Smart immerhin über zwei Sitze verfügt.
Und was diesen Hamburger Sportverein anbelangt, könnten Astra-gestählte Fans nicht mehr über diese kleinste deutsche Brauerei lachen, die jährlich lediglich 11 neue Flaschen produziert. Und wohin mit den Scheidungskindern, die, weil sie von beiden Elternteilen immer verprügelt wurden, weder zum Vater, noch zur Mutter wollen, sondern zum HSV, weil dort niemand zuhause geschlagen wird?   

Auf keinen Fall sollte der Rauten-Club Rainer Brüderle engagieren. Der hat zwar inzwischen eine Beratungsfirma gegründet: „Rainer Brüderle Consults“. Aber eins ist sicher: Da ist guter Rat teuer.
Halten wir’s am Ende also lieber mit dem Zwangsaussteiger Guido Westerwelle, mit jenem Polit-Schauspieler, der sich nach seiner Abwahl nicht etwa arbeitslos bei den Schleckerfrauen einreihte, sondern einen so genannten „Think Tank“ gründete, eine nach ihm benannte Denkfabrik also. (Denkfabrik! Naja, das Nachholbedürfnis ist vermutlich gewaltig!)
Westwelle wünschte uns, seinem deutschen Volk, einst zum neuen Jahr (ich zitiere wörtlich, …geradezu ehrenwörtlich): „Glück und Gesundheit. Beides zusammen. Die Menschen auf der Titanic waren zwar gesund, hatten aber kein Glück!“  
Ja, danke, mein Guido! Und in diesem Sinne: Glück und Gesundheit Ha-Ha-HSV!