Satiren

Das kleine Dorf Zschadraß, das man zu Recht auch als „stilles Örtchen“ bezeichnen könnte, schläft am Zusammenfluss der Freiberger und der Zwickauer Mulde inmitten des Sächsischen Burgen- und Heidelandes. Das wird Euch jetzt etwa so viel sagen, als redete ich über ein Provinznest in der fernen Inneren Mandschurei. Aber dass…

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(statt einer Beschwerde: Brief ans Hamburger Hotel „Vier Jahreszeiten“)

Sehr geehrte Direktion,

Deutschland, die viel gescholtene Servicewüste?! Nicht doch! Wenn der Fernseher streikt, steht heutzutage der Kundendienst schon vor der Tür, bevor die nächste Ausgabe der Tagesschau begonnen hat. Und wenn wir im Internet einkaufen - sagen wir: ein Buch - wird der Kaufvertrag Sekunden nach dem letzten Klick schon per Mail bestätigt. Nur wenig später erfahren wir elektronisch, welcher der ausgebeuteten Amazon-Knechte unsere Lektüre gerade auf den Postweg gebracht hat.…

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Vorzeige-Macho Götz George, dessen Spitzname erstaunlicherweise „Putzi“ ist, war zuletzt 2013 in seiner bereits 17. Schimanski-Folge zu erleben: „Loverboy“, so der Titel, - aber damit war unser Schimmi dann doch nicht mehr gemeint. Der pensionierte Tatort-Kommissar, so weiß ich aus sicherer Quelle, wird aber noch ein letztes Mal seine beige-graue M65-Feldjacke anziehen (inzwischen auch als Schimanski-Jacke bekannt). Er wird im Minutenabstand „Scheiße“ rufen (ein Wort, das er salonfähig gemacht hat) und schon in Kürze zu den Dreharbeiten eilen. (Richtig, - in unserem Alter sollte man mit solchen Dinge nicht allzu lange warten!)…

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„Jimmy Kalaschnikow“, so erfährt man im Internet, „erblickte am 5. Juni 1960 in Wanne-Eickel das Licht der Welt. Er ist Gründer und Sänger der Punkrock-Band ‚Molotow Cocktail’ und hauptamtlich als EDV-Kaufmann in einem prominenten Hamburger Unternehmen tätig.“ 

Und diesen Jimmy, der auch jenseits seines 50. Lebensjahres noch die bunten optischen Insignien der Punk-Szene zur Schau trägt (und das durchaus auch am Arbeitsplatz!), durchdrang – finanziell nicht gerade auf Rosen gebettet - plötzlich der heiße Wunsch, seinem irdischen Dasein eine entscheidende Wende zu geben. Dabei ging ihm vermutlich das berühmte Lied des Tevje aus dem Musical »Anatevka« durch den Kopf: »Wenn ich einmal reich wär’“.…

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Ende der 70-er Jahre des vorigen Jahrhunderts. Meine St. Pauli-Premiere. Stehplatzkarte. Ein tristes Heimspiel am Millerntor. Amateur-Oberliga nach Lizenzentzug. Unsere Gäste (ich vermeide immer das feindselige Wort "Gegner") kommen aus der sportlichen Walachei, aus Gifhorn, Itzehoe oder Blumenthal. Ich stehe da, wo die locker verstreuten Fans am lustigsten sind. Weder sperrige Zäune, noch eine leuchtend-gelb verkleidete Ordnercrew verhindern 90-minütige Spaziergänge auf allen Stehtraversen. Gesunde Bewegung, - nicht nur auf dem Spielfeld! Doch plötzlich finde ich mich allein auf weiter Flur. Fluchtartig ist der ganze Pulk auseinander gerannt. Leide ich unter unangenehmen Ausdünstungen, dass man mich meidet? Aber warum weinen die Fans so herzergreifend, wischen sich Tränen ab, schnäuzen ins Taschentuch? Erst nach ein paar Sekunden begreife ich: Tränengas! Der Start ins Pyro-Zeitalter. Aber so bemerke ich wenigstens, dass meine frisch erworbenen ersten Kontaktlinsen nicht nur beim Zwiebelschneiden eine Augen schützende Nebenwirkung erzielen!…

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